Fachartikel

Zur Erstattungsfähigkeit von Abschleppkosten und eines Ergänzungsgutachtens

 

AG Gifhorn, Urteil vom 27.03.2015, AZ: 33 C 226/14 (XVII)

 

Hintergrund

 

Die Parteien streiten um die Erstattung restlicher Abschleppkosten von 48,00 € sowie der Kosten für ein erstelltes Zusatzgutachten von 200,00 €. Die Abschleppkosten waren im

Rahmen eines von der Beklagten beauftragten Prüfgutachtens auf einen „branchenüblichen“ Preis von 240,00 € auf 192,00 € gekürzt worden. Um sich gegen diese Kürzungen zu verteidigen beauftragte die Klägerin bei ihrem Sachverständigen ein Zusatzgutachten, welches sich thematisch mit dem Prüfgutachten auseinandersetzte. Die auf Ersatz der restlichen Abschleppkosten und Kosten des Zusatzgutachtens gerichtete Klage hatte Erfolg.

 

 

Aussage

 

Das AG Gifhorn sprach der Klägerin die restlichen Abschleppkosten zu und führt hierzu aus, dass der Geschädigte zunächst seiner Darlegungslast zur Schadenhöhe regelmäßig durch

Vorlage einer Rechnung nachkommt. Wahrt der Geschädigte den Rahmen des zur Wiederherstellung Erforderlichen, sind weder der Schädiger noch das Gericht im

Schadenersatzprozess berechtigt, eine Preiskontroll durchzuführen. Nur wenn der Geschädigte erkennen kann, dass das von ihm ausgewählte Abschleppunternehmen eine Vergütung für seine Tätigkeit verlangt, die die in der Branche üblichen Preise erheblich übersteigen, gebietet das schadenrechtliche Wirtschaftlichkeitsgebot, ein zur Verfügung stehendes günstigeres Abschleppunternehmen zu beauftragen. Der Geschädigte darf sich grundsätzlich damit begnügen, ein für ihn ohne Weiteres erreichbares Abschleppunternehmen zu beauftragen. Zur Marktforschung ist er nicht verpflichtet.

 

Das Gericht hielt die Forderung von 240,00 € für eine Strecke von 11 km insgesamt für nicht übersetzt. Es komme nicht allein auf die Strecke für die Preisgestaltung an, sondern auch auf weitere Faktoren, wie den Zeitpunkt der Leistung an einem Wochentag oder am Wochenende oder gar außerhalb üblicher Geschäftszeiten. Weiter hielt das Gericht die Kosten des beauftragten Zusatzgutachtens für erstattungsfähig. Es stehe dem Geschädigten zu, sich in diesem Fall von dem Sachverständigen eine Einschätzung einzuholen, inwieweit die Kürzungen gerechtfertigt sind.

 

 

Praxis

 

Auch das AG Gifhorn stellt klar, dass die Kosten eines Zusatzgutachtens unter dem Gesichtspunkt der Waffengleichheit zur Überprüfung von Kürzungen im Prüfbericht vom Schädiger zu tragen sind. Das Urteil enthält auch lesenswerte Erläuterungen zur Erstattungsfähigkeit von Abschleppkosten.

 

 

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